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Montag, 27. Juli 2009 um 03:42 Uhr |
Kirgistan
Besonders die letzten Tage im Fergana Valley in Usbekistan waren ziemlich anstrengend; egal wo ich angehalten habe, hat sich innerhalb kürzester Zeit eine Menschenmasse um mich gebildet.
Englisch hat nur ganz selten jemand gesprochen, und so konnte ich bald perfekt russisch - zumindest wenn es um die Antworten auf die stets gleichen Fragen ging: woher, wohin, wie lange, was kostet das Fahrrad, aus Frankfurt, München oder Hamburg?
 ich bin ein Star - und wollte doch nur schnell Brot kaufen
Bei jedem Stop der gleiche Dialog: wenn ich nach dem Weg gefragt hab, beim Einkaufen, bei jeder Pause; und selbst während der Fahrt - ständiges Rufen vom Straßenrand aus.
Das ist einer der Nachteile, wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist - es gibt keinerlei Privatsphäre.
Es kam aber auch immer wieder zu netten Begegnungen; so hat mich ein Soldat an seinem freien Tag kilometerweit auf dem Fahrrad begleitet und den Weg zur Grenze nach Kirgistan gezeigt.
 Abschied von Usbekistan
Exakt eine Woche hat es dann gedauert, bis mir aufgefallen ist, dass ich mich in einer neuen Zeitzone befinde und die Uhr eine weitere Stunde vorstellen muss. Zeit spielt hier keine nennenswerte Rolle.
Das Land besteht eigentlich nur aus Bergen und Seen. Erstere erschweren das Fortkommen deutlich; zweitere nicht minder - zu verlockend der Sprung ins türkisgrüne Wasser. So manche Mittagspause verbringe ich im kühlen Wasser.
Generell scheint die Gegend bei Radfahrern sehr beliebt zu sein. Korea, Schweden, Australien, Russland, Amerika - die halbe Welt trifft sich in Kirgistan zum Radfahren.
Solche Treffen sind stets willkommene Pausen vom Bergauffahren. Es geht hier nämlich IMMER bergauf.
Wie seit wahrscheinlich tausend Jahren tauscht man dann, im Schatten sitzend, gegenseitig Erfahrungen und Geschichten aus. Sei es über gefährliche Räuberbanden (=abzockende Botschaften), überlebenswichtige Oasen (=gemütliche Cafes) oder geschäftige Karawansereien (= alte Sovjethotels).

Diese alten Hotels sind eine Geschichte für sich.
Für irgendwas zwischen einem und drei Euro bekommt man dort ein Dach über dem Kopf, meistens ein halbwegs sauberes Bett und mit viel Glück sogar warmes Wasser. Wenn man den ganzen Tag über staubige Straßen geradelt ist, dann sind das sehr elementare Dinge.
Und sollte man zu seinem Zimmer mal einen Schlüssel bekommen, erfordert das Schloß entweder das Fingerspitzengefühl eines Schweizer Uhrmachers, oder einfach nur rohe Gewalt.
Renoviert werden die einst stolzen Bauten aus Prinzip nicht; was vielleicht auch besser ist - die vergilbten Tapeten scheinen eine wichtige Stützfunktion der bröckelnden Mauern übernommen zu haben.
Als Krönung wird in größeren Hotels jedes Stockwerk von einer nie lachenden, meist sehr gewichtigen Frau in hellblauem Blümchenkittel bewacht.
In der Hauptstadt Bishkek darf ich mal wieder im Garten eines Hotels campen und werde nach ein paar Tagen Pause noch eine Runde zum Lake Issy Kul drehen.
hier mehr Bilder
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Samstag, 08. August 2009 um 05:54 Uhr |
Zwischenfazit

Nach 6200 Kilometern und 130 Tagen auf der Strasse ist es Zeit fur ein kleines Zwischenfazit in Zahlen:
- reine Fahrzeit: 375 Stunden
- Hoehenmeter: 38.200
Pannen: - ein Platten, verursacht durch ein verrutschtes Felgenband. Morgens unter regem Interesse der Belegschaft in der Lobby eines uralten Sovjethotels repariert
- seit Istanbul ein regelmaessiges Knacken im Tretlager; muss ich mal in Ruhe weiter beobachten
- Loch im Zelt... hab versehentlich eine Heuschrecke mit eingepackt, die sich (erfolglos) aus ihrem Gefaengnis beissen wollte
- Absolut faszinierend ist das schoene Wetter: ich hatte nur drei Regentage, davon zwei an Pausentagen. Ab und zu war es mal bewoelkt, ansonsten nur Sonne. Das spiegelt sich auch in der durchschnittlichen Temperatur tagsueber im Schatten wider: 28 Grad
- Am meisten getrunken habe ich in der Wueste in Turkmenistan: 64 Liter in 5 Tagen.
- Hundeattacken: unzaehlige
- Verloren: Angst vor Hundeattacken, Jeans (geklaut)
- Laengster Lift am LKW: 500 Hoehenmeter. Die anschliessende Forderung nach "ten Dollari" und den sehr schoenen russischen Fluch habe ich leider nicht verstanden.

Eigentlich steht als naechstes Land China auf dem Plan. Wegen des Konflikts mit den Uiguren stellen die Chinesen zur Zeit jedoch keine Visa aus.
Ausserdem ist es mal wieder hoechste Zeit fur einen Urlaub mit der Andrea, und so fliege ich in ein paar Tagen erstmal nach Bangkok.
Die weitere Route haengt dann davon ab, ob ich in Bangkok ein chinesisches Visum bekomme. Es bleibt jedenfalls spannend.
Bilder, Bilder, Bilder
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