Sonntag, 20. Mai 2012

update: 12.03.2010

aktuell in: zurück in München

gefahrene Kilometer: 16700

Türkei


Dienstag, 28. April 2009 um 10:42 Uhr

Gastfreundschaft in der Türkei


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Und da war sie wieder, die Frage, warum ich mir das alles antue; schon seit einer halben Stunde quäle ich mich mit dem vollbepackten Fahrrad durch die überfüllten Straßen von Izmir. Rechts und links überholen mich Autos, im Rückspiegel eine Blechwand, die einem ungeduldig hinter mir herschleichendem LKW gehört und vor mir alle paar Meter fiese Schlaglöcher oder klippenähnliche Gullideckel. Schlagartig wird mir klar, warum ich in dieser Stadt noch keinen Radler gesehen habe.

Aber gerade deshalb passen wahrscheinlich alle irgendwie auf diesen Exoten auf, und irgendwann spuckt mich der Moloch auch wieder aus.


Trotzdem genieße ich die Fahrt durch die Türkei! Die Menschen sind superfreundlich und von allen Seiten werde ich ständig gegrüßt. So muss sich das anfühlen, wenn man berühmt ist :-)


In Pergamon mache ich Pause und werfe einen Blick auf die Überreste alter Tempel.


Am nächsten Tag geht's weiter nach Norden durch die im wahrsten Sinne atemberaubende hügelige Landschaft.

Ausser unzähligen Schafen, Kühen und Eseln läuft mir den ganzen Tag nicht viel über den Weg. Am späten Nachmittag stoppt dann ein kleiner Lieferwagen vor mir. Die beiden Jungs laden mich zum Tee ein und nehmen mich ein Stück mit. In Gönen treffen wir Mustafa und ich bekomme neben einer tollen Stadtführung eine deftige Abreibung beim Backgammon; tja - Spiele waren noch nie meine Stärke ;-)

Ich übernachte bei Mustafa und seinem Bruder und am nächsten Morgen geht's nach einem feinen Frühstück weiter nach Bandirma.


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Samstag, 09. Mai 2009 um 14:28 Uhr

Istanbul

 

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In der 15-Millionen-Metropole Istanbul erwartet mich lieber Besuch und so vergeht die Zeit wie im Flug.


Neben der obligatorischen Besichtigung diverser Sehenswürdigkeiten widmen wir uns ausführlich den kulinarischen Erzeugnissen der türkischen Küche: von Baklava über Mantili bis hin zu Patlican Kizartmasi wird alles getestet.


Zu Fuß und mit dem Zug lassen wir uns durch die Stadt treiben, entdecken dabei quirlige Basarviertel und relaxen in ruhigen Teegärten. Mit dem Schiff überqueren wir den Bosporus und unternehmen einige transkontinentale Ausflüge in den asiatischen Teil der Stadt.


Statt vieler Worte: viele Bilder

 

 

 
Freitag, 15. Mai 2009 um 15:29 Uhr

Besuch beim TÜV


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Um dem hektischen Verkehrschaos Istanbuls zu entgehen verlasse ich die Stadt mit der Fähre.

Eine gute Entscheidung, wie sich bald herausstellt, denn diese Stadt ist echt riesig.


Ab Yalova trete ich wieder selbst in die Pedale. Auf der Straße wird es schon bald ruhiger und die Städte werden durch kleine Dörfer abgelöst.

Durch diese Gegend scheinen nicht oft Touristen zu kommen; zumindest nicht auf dem Fahrrad. Manche gucken mir hinterher, als ob da gerade ein bunt blinkendes Ufo an ihnen vorbeigerauscht wäre.


Und so rolle ich mit meinem Ufo die nächsten Tage bei schönstem Wetter immer weiter Richtung Osten.

Die Landschaft ist absolut fantastisch; grüne Hügel und viel Wald wechseln sich bald mit felsigen kleinen Schluchten ab.


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Unterwegs werde ich immer wieder zum Tee eingeladen. In Osmancik verlasse ich morgens das Hotel als ich bereits nach 20 Metern von der Polizei angehalten werde; woher, wohin, schon Cay gehabt? Und schon stehe ich mit einer dampfenden Tasse Tee in der Hand neben dem Polizisten.


Auf der Straße überholen mich oft Autos, die sich in abenteuerlichem Zustand befinden. Umso abstrakter, als plötzlich vor mir ein riesiges TÜV-Schild auftaucht. Neugierig fahre ich auf den blitzsauberen Hof und werde prompt auf deutsch angesprochen. Im klimatisierten Büro bekomme ich bei leckerem Kaffee dann alles über den türkischen TÜV erzählt.


Nach 8 Tagen und 650 Kilometern erreiche ich Amasya, einen Ort, den der Reiseführer als "ätherisch" beschreibt; was auch immer damit gemeint sein mag.

Das einzige, was ich vorerst ätherisch finde ist meine Unterkunft in einem alten osmanischem Häuschen. Hier werde ich jetzt erstmal ein paar Tage Pause machen.


Mehr Eindrücke von unterwegs


 
Donnerstag, 21. Mai 2009 um 15:55 Uhr

Zentralanatolien


In Amasya lasse ich mich neben all der Ätherik mal wieder von der Farbe meines Fahrrads bezaubern, die ich nach langem Putzen unter einer dicken Dreckschicht wiederentdecke.


Im schattigen Innenhof meiner osmanischen Pension bringe ich auch den Rest der Ausrüstung wieder in Ordnung.

Zwischendurch besichtige ich die 5000(!) Jahre alten Felsgräber, gehe einkaufen und fülle mal wieder meine Vorräte auf.


Nach zwei Tagen hält mich nichts mehr und ich lasse mir wieder den Fahrtwind um die Nase wehen.


Lange geht es durch ein breites Flusstal, in dem recht viel Obst angebaut wird.

Es macht Spaß, durch das Tal zu fahren und zu beobachten, wie die leuchtend grüne Vegetation nach einigen Tagen durch gelbrote Felsen abgelöst wird.


 

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Die Berge werden steiler und ich lasse mich ab und zu ein Stück von einem langsam dahinkriechenden LKW mitziehen.

Während ich an so einem Lift hänge rufen und winken auf einmal zwei Typen am Straßenrand ganz aufgeregt zu mir rüber.

Muss wohl wichtig sein und so lasse ich widerwillig los.


Die beiden stellen sich als Reporter vor und wollen einen Artikel für die Lokalzeitung über mich schreiben.

Und so gehts erst total verschwitzt zum Fototermin ans Ortsschild und dann in ein herrlich kühles Cafe zum Interview.

Mein Hemd trocknet langsam und nach und nach kommen interessante, landkartenähnliche Schweißränder zum Vorschein :)

Die beiden findens witzig; erhöht wohl meine Authentizität.

Ich sollte diese lästigen Pressetermine zukünftig in die kühlen Morgenstunden legen :-)


 

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Gewitter über Susheri

 


 
Sonntag, 31. Mai 2009 um 13:50 Uhr

Endspurt Türkei


Nach anstrengender Fahrt vorbei am Ursprung des Euphrat mache ich in Erzurum ein paar Tage Pause und organisiere mein Visum für den Iran.

Nicht nur ich, auch der Sommer legt eine Pause ein.

Nach den 40 Grad die letzten Tage ist es hier oben auf knapp 1.900m angenehm kühl. Nur die täglichen Regen- und Hagelschauer sind irgendwie überflüssig. Und als es nach ein paar Tagen endlich weitergeht packe ich seit zwei Monaten das erste mal die Regenklamotten aus.

Bei strömendem Regen geht's weiter über die Hochebenen Ostanatoliens. Auf den umliegenden bis zu 3500m hohen Bergen fällt Neuschnee. Die Landschaft ist immer noch beeindruckend und wird in ihrer Dramatik noch durch die tiefschwarzen Regenwolken unterstrichen.


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Ein echt nerviges Übel sind die hier überall rumstreunenden Hunde. Meistens lungern sie irgendwo am Straßenrand rum.

Da können dann am Tag hunderte Autos, LKWs und Motorräder auf der Straße vorbeifahren - keine Reaktion. Aber wehe ein Radfahrer taucht am Horizont auf; dann wird sich die Serviette umgebunden und zur Not auch mal ein Kilometer quer übers Feld gerannt.


Davonfahren kann man diesen riesigen Hunden nicht; also anhalten, Steine aus der Lenkertasche nehmen und erstmal einen Wurf androhen. Meistens reicht das, um die Viecher auf Abstand zu halten. Die Einheimischen sind da weniger zimperlich; die werfen gleich, woraufhin sich die Angreifer jaulend aus dem Staub machen.


Gibt jedenfalls immer einen ordentlichen Adrenalinschub. Muss gleich mal googeln, ob Adrenalin auf der Dopingliste steht...

 

 

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