Die Grenzformalitäten bringe ich diesmal relativ zügig hinter mich; auch hier hat man sich gegen die Schweinegrippe, oder welche auch immer gerade wütende Pandemie, gewappnet: jeder wird vom Amtsarzt gefragt, ob er gesund sei.
Als der Arzt meinen deutschen Pass sieht sind alle Seuchen vergessen und sehr stolz zählt er einige ostdeutsche Städte auf.
Legendaere Staedte an der Seidenstrasse
Die 90 Kilometer bis Bukhara wollte ich eigentlich noch am ersten Tag fahren, doch der stürmische Gegenwind lässt mich nur in Schrittgeschwindigkeit vorankommen.
Als ich gegen Abend durch ein kleines Dorf komme lädt mich einer der Bewohner zu sich nach hause ein. Anfangs etwas skeptisch sitze ich kurz darauf in einem herrlich grünen Innenhof und bekomme von der Familie feines Essen serviert.
Als Gegenleistung repariere ich ihr Fahrrad und schenke ihnen noch meine alten Ersatzpedale.
In Bukhara werde ich jetzt ein paar Tage Pause machen und mal wieder die Energiereserven auffüllen.
Kein Bankueberfall - hab nur 60 Euro gewechselt
Sonntag, 12. Juli 2009 um 07:45 Uhr
Samarkand - Bukhara - Tashkent
Morgens in Bukhara
Früher zogen die Karawanen mit ihren Kamelen von Stadt zu Stadt, heute überwiegen Touristen mit ihren Rollkoffern, respektive Fahrrädern.
Manchen treffe ich bereits zum fünften Mal auf meiner Tour und so erwarten mich in jeder Stadt ein paar bekannte Gesichter.
Angesichts hunderter blauer Kuppeln, Moscheen, Türmchen und Medressen wird Sightseeing zum echten Fulltimejob. So manchen Nachmittag verbringe ich deshalb in einem der zahlreichen Teegärten im Schatten uralter Maulbeerbäume und halte es mit dem alten usbekischen Sprichwort: "Vor dem Tee fehlt die Kraft zu arbeiten, nach dem Tee fehlt die Lust."
Mittagspause deluxe
So schön die ganzen Städte auch sein mögen, das eigentliche Leben spielt sich auf den Etappen dazwischen ab. Bei jedem Stop stehen augenblicklich ein paar Leute um mich rum.
Die Gespräche laufen meistens gleich ab - woher, wohin, gefolgt vom obligatorischen Kopfschütteln, wie man sich solche Strapazen antun kann. Deutschland kennt natürlich jeder; mal ist zwar Gerhard Schröder noch Bundeskanzler, dann fragt mich einer ob "DDR gut?" doch beim Fussball sind sie alle fit. Einen Fußballplatz hab ich noch nirgendwo gesehen, aber die deutschen Spieler kennen fast alle.
Immer wieder werde ich eingeladen oder bekomme irgendwas geschenkt. Bisweilen stößt die usbekische Gastfreundschaft jedoch an meine logistischen Grenzen; die handvoll Äpfel konnte ich noch irgendwie verstauen, aber wie transportiert man eine Melone auf dem Fahrrad?